Ratzfatz über die Grenze

Fanbusse an polnisch-ukrainischen Grenzübergängen bevorzugt behandelt

von Constanze Aka

Es ist drei Uhr morgens, langsam rollt der Bus auf die polnisch-ukrainische Grenze zu. Alle Plätze sind besetzt, doch anstelle der vielen Ukrainer, die sonst zwischen Deutschland und ihrem Heimatland hin- und herpendeln,  sitzen nun deutsche Fußballfans im Bus. Wir mitten unter ihnen. Elf lange Stunden liegen schon hinter uns, begleitet von Pink Floyd auf dem kleinen Fernseher und dem ständigen Wunsch nach einer Pause. Doch jetzt sind wir bald da, nur noch 80 Kilometer liegen zwischen uns und Lviv, wo am Sonntag die deutsche Elf auf Dänemark treffen wird. 80 Kilometer und eine Grenze.

Im April haben wir diese Strecke schon einmal hinter uns gebracht. Über sechs Stunden warteten wir damals, bis wir aus Polen aus- und in die Ukraine einreisen durften. Dabei hatten wir kilometerlange  und sich kaum bewegende LKW- und Autoschlangen schon überholt. Und heute? Weit und breit ist kein einziger LKW oder Transporter zu sehen, überhaupt ist nicht viel Betrieb an der Grenze Shehyni. Ohne zu warten werden wir zur Zollkontrolle gelotst, der LKW-Korridor wurde in einen eigens für die anreisenden Fußballfans eingerichteten Übergang umgewandelt. Die zwei Grenzposten hat man zusammengelegt, Polen und Ukrainer teilen sich ihre Bürohäuschen, die jeweiligen Arbeitsplätze haben sie mit ihren Landesflaggen dekoriert.

Das vor kurzem noch Undenkbare passiert: Nicht mal eine Stunde vergeht, und schon dürfen wir die Grenze passieren. Niemand wurde herausgerufen, kein Schmiergeld eingesammelt, keine Schmuggelware gefunden. Eigentlich wurde nicht einmal wirklich danach gesucht. Die Amosphäre ist entspannt, seltsam entspannt. Wie schön wäre es, könnte es nach der EURO 2012 so bleiben.  

Noch eineinhalb Stunden Fahrt im Halbschlaf über ukrainische Straßen und endlich kommen wir an. „Stimmt es, dass es in Lemberg keine Busse gibt und keine Fahrpläne?“, hat uns ein Fan im Reisebus gefragt. Jetzt überzeugt er sich vom Gegenteil und macht sich mit den anderen deutschen Besuchern mit dem Bus der Linie 3A auf den Weg ins Stadtzentrum und ins Fußballabenteuer.

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