Fremde Sprache, kein Bier – Überleben in der Ukraine

In der Ukraine ist die Situation der Sprache nicht ganz einfach. Ukrainisch ist die offizielle Amtssprache und besonders im westlichen Teil (in Galizien) verbreitet; Russisch wird trotzdem von einem großen Teil der Bevölkerung gesprochen und von noch mehr verstanden. Doch wie kommt man zurecht, wenn man, wie wahrscheinlich der gewöhnliche deutsche Fußballfan, keine der beiden Sprachen beherrscht?

In einer Kneipe versuche ich an etwas zu trinken zu kommen und bestelle im besten amerikanischen Englisch ein Bier. (Obwohl ich auch ein „odno pivo“ hätte hervorbringen können, schien es mir zu so später Stunde einfacher…) Der Kellner holt eine Flasche Guinness und eine mit kyrillischer Schrift. Ich entscheide mich für das kyrillische Etikett, schließlich fahre ich nicht in die Ukraine, um dann ein Guinness zu trinken. Nach dem ersten Schluck muss ich leider feststellen, dass ich ukrainischen Cidre gekauft hatte, der mit 26 Hrywnja sogar doppelt so teuer ist wie das Bier, dass meine russischsprachigen Mitreisenden bekommen haben – Lehrgeld, dass man anscheinend manchmal zahlen muss.

Die kyrillische Schrift an den Geschäften und überall im Stadtbild kann einen schon das ein oder andere Mal glauben lassen, man sei in einer anderen Welt. Etliche Speisekarten oder Straßenschilder wurden aber bereits mit englischer Übersetzung ausgestattet, sodass eine Orientierung für ausländische Fans möglich ist. Deutsche Fußballfreunde haben es da noch leichter: Einige Busse zeigen ihr Fahrtziel sogar in Deutsch an – ob der Bus dann dort auch wirklich ankommt, ist allerdings eine andere Angelegenheit.

Keine Frage, die ukrainischen Bürger strengen sich an, für die EM nützliche englische Begriffe zu erlernen. Wo das nicht ganz möglich ist, werden andere Lösungen gefunden: Der Polizei werden beispielsweise Studenten zur Seite gestellt, die im Notfall am Telefon zwischen Polizist und Fan übersetzen sollen. Wie das im Ernstfall genau funktionieren wird, kann und sollte man sich am besten nicht vorstellen. Man sieht aber: Die Ukraine bemüht sich. Nicht zuletzt werden auch die vielen jungen Volunteers den Fußballfans bei ihrem Aufenthalt hilfreich zur Seite stehen und das Problem der für viele so fremden Sprache ausgleichen.

Es spricht auch sicher nichts dagegen, sich selbst ein wenig zu bemühen. Ein „odno pivo“ kann man noch gut über die Lippen bekommen – sofern es nicht bereits „vocem piva“ gewesen sind – und zaubert zudem noch ein kleines Lächeln auf jedes ukrainische Gesicht.

Von Peter Hartmann

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