Erst die Arbeit, dann das Spiel – Wie Studenten in Lviv die Fußball-Europameisterschaft erwarten

Gespannte Gesichter blicken auf uns, als wir das österreichische Kooperationsbüro der Universität Ivan Franko in der ukrainischen Stadt Lviv betreten. Und dann: Stühle rücken, Platz machen für den Besuch aus Deutschland.

Dabei geht es hier gar nicht um uns, eine mittelosteuropa-affine Studentengruppe aus Berlin, sondern um die Ukraine und darum, wie die hiesigen Studenten die Vorbereitungen  auf die Fußball-Europameisterschaft erleben. Es gibt viel zu erzählen. „Die Euro 2012 ist eine interessante und seltsame Erscheinung in Lviv.“, erklärt uns Marta. In den nächsten eineinhalb Stunden  unterhalten wir uns über Tourismus und Infrastruktur, über Vor- und Nachteile des Turniers und vor allen Dingen über allerlei Kuriositäten.

Denn während die Mitarbeiter der örtlichen Museen gerade Crash-Kurse im Englischen absolvieren, vermeidet es die Polizei geschickt, Überstunden zu machen, um Fremdsprachen zu lernen: Für etwaige Kommunikationsprobleme mit Gästen aus dem Ausland hat die Miliz Studenten angeworben, die bereit stehen, um per Telefon zu übersetzen.

Für Studenten in Lviv bringt die Europameisterschaft ohnehin die ein oder andere Überraschung mit sich. Damit die Wohnheime rechtzeitig frei werden, um einen Teil der etwa 34 000 Fußballfans aufnehmen zu können, wurde das Semester um zwei Wochen verkürzt. Diejenigen Studenten, die nicht aus Lviv kommen, wurden aufgefordert, zu ihren Eltern zu reisen. „Und bis dahin müssen wir auch samstags zur Uni!“, berichtet uns Zoriana.

Schlecht ist die Stimmung trotzdem nicht. Uljana und Stanislaw zum Beispiel werden während des Turniers als Freiwillige  arbeiten. Am Flughafen und am Bahnhof werden sie die Touristen begrüßen und ihnen den Weg in die Stadt zeigen. Sie freuen sich darauf, neue Freundschaften mit Gästen aus ganz Europa zu schließen. Überhaupt sind die ukrainischen Studierenden davon überzeugt, dass sich Lviv von seiner besten Seite zeigen wird. Es wird viel gewerkelt in der Stadt.  Wie man in Lviv eine Straße repariert, erklärt uns Stanislaw: „Man nimmt Kopfsteinpflaster von einem Ort und von einem anderen und tauscht es aus.“ Nicht immer mögen die Reparaturarbeiten sinnvoll sein, doch ohne die Euro 2012 wären viele Straßen wohl gar nicht erneuert worden. Und selbst die überteuerten Übernachtungspreise haben ihr  Gutes: Auf Facebook hat sich eine Gruppe von mehreren Hundert Ukrainern gebildet, die ihre Türen den Gästen kostenlos öffnen. „Ласкаво просимо! Welcome to Ukraine“ nennt sich die Initiative und meint es ernst mit ihrem Slogan, der aus den Europameisterschafts-Werbefilmen entnommen ist.

Auch die ukrainischen Studenten sind in ihrer Gastfreundschaft nicht zu übertreffen. Wir werden uns bald wiedersehen. Dann aber auf ein Bier in der Stadt!

Constanze Aka

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